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Kinderwunsch auch bei MS erfüllbar

Auf dem Gebiet der Multiple Sklerose wird intensiv geforscht. Und obwohl mittlerweile vieles über MS und Schwangerschaft bekannt ist, gibt es immer noch eine Reihe von Fragen, zu denen es entweder keine, ungenaue oder unterschiedliche Antworten gibt. Seit 2006 sammelt die Neurologin Kerstin Hellwig am Bochumer St. Josef-Hospital Informationen zu Schwangerschaftsverläufen bei Frauen mit Multipler Sklerose. Die Daten von über 500 Frauen wurden bislang erfasst – Tendenz steigend. Je mehr Fakten zusammenkommen, umso genauer lassen sich Schwangerschaftsverläufe, mögliche Komplikationen oder die Anforderung, die ein Kleinkind für eine Mutter mit Multiple Sklerose darstellt, einschätzen.

Frau Dr. Hellwig, was war der Grund für die Einrichtung der Datenbank zu Schwangerschaften mit Multiple Sklerose?

Als ich mit dem Register anfing, gab es einfach zu wenige Informationen zu Multiple Sklerose und Schwangerschaft oder den Sicherheitsaspekten von MS-Medikamenten in diesem Kontext. Die erste richtige Studie, die zeigte, dass es nach der Geburt zwar einen Schubanstieg gibt, es aber in der Schwangerschaft zu einer Schubreduktion kommt, wurde erst Anfang 2000 veröffentlicht. Auch zu anderen Daten, die wir jetzt erheben, gab es keine Informationen.

Welche Daten erfassen Sie?

Das sind Daten zu Multiple Sklerose sowie zum Schwangerschaftsverlauf, zu gynäkologischen Komplikationen zu jeglicher Medikamentenanamnese, insbesondere natürlich zu MS-Medikamenten.

Wie werden die Daten erhoben?

Der Erstkontakt geht von den Frauen mit Kinderwunsch oder Schwangerschaft trotz Multiple Sklerose selbst aus. Je nach dem, wann sie uns erstmals kontaktieren, führen wir zwei bis dreimal während der Schwangerschaft Telefoninterviews durch. Dann gibt es ein Follow-Up bis zwei Jahre nach der Geburt, zunächst nach drei, dann sechs Monaten und dann in halbjährigen Abständen.

Was geschieht mit den Daten?

Sie werden in Kooperation mit Statistikern ausgewertet, in medizinischen Fachzeitschriften sowie auf unserer Homepage veröffentlicht und auch über die DMSG (Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft), die das Projekt unterstützt, Multiple-Sklerose-Betroffenen mit Kinderwunsch oder während der Schwangerschaft zugänglich gemacht.

Dürfen sich Frauen mit Multiple Sklerose ihren Kinderwunsch erfüllen?

Ja, ein Kinderwunsch und Multiple Sklerose schließen sich nicht aus. Während vor 30 - 40 Jahren noch von einer Schwangerschaft mit Multiple Sklerose abgeraten wurde, zeigen die Daten unseres Schwangerschaftsregisters und die heutige Studienlage, dass im Allgemeinen nichts gegen eine Schwangerschaft trotz MS-Diagnose spricht. Insbesondere, wenn es sich um eine stabil eingestellte Multiple Sklerose handelt, deren Verlauf die Chance nahelegt, dass sich die Mutter um ihr Kind kümmern kann.

Hat eine Schwangerschaft Auswirkungen auf den Verlauf der Multiple Sklerose?

Langfristig gibt es keine negativen Auswirkungen auf den Verlauf der MS. Während der Schwangerschaft kommt es sogar kurzfristig zu einer Schubreduktion. Im letzten Schwangerschaftsdrittel sprechen wir von einer 80-prozentigen Schubreduktion. Ältere MS-Studien zeigen, dass es bei etwa 30 Prozent der Frauen in den ersten drei Monaten nach der Geburt zu einem Schub kommt. Möglicherweise ist die Zahl heute niedriger, da wir häufiger Multiple Sklerose diagnostizieren und die Schubrate insgesamt niedriger ist, als noch vor zehn Jahren.

Kann eine Frau mit Multiple Sklerose normal entbinden?

Ja. Die Entscheidung für die Art der Geburt – also normale Entbindung oder Kaiserschnitt – hängt in erster Linie von geburtshilflichen Erwägungen ab, wie etwa der Lage des Kindes, aber nicht von einer Multiple Sklerose. Es spricht übrigens auch nichts gegen eine Periduralanästhesie (PDA). Die meisten Frauen haben in der Schwangerschaft keine größeren körperlichen Einschränkungen durch die Multiple Sklerose. Bei einer stärkeren MS kann im Einzelfall vielleicht ein Kaiserschnitt sinnvoller sein kann.

Darf und soll von Müttern mit Multiple Sklerose gestillt werden?

Wenn die Aktivität der Multiple Sklerose halbwegs kontrolliert ist, spricht nichts dagegen gemäß den Empfehlungen der WHO (Weltgesundheitsorganisation) vier bis sechs Monate voll zu stillen, dann mit Beikost zu beginnen und in den nächsten zwei bis drei Monaten abzustillen. Anschließend kann die MS-Therapie fortgesetzt werden. Bei einer Schubbehandlung während der Stillzeit sollte eine Karenzzeit von vier Stunden nach einer Kortisongabe eingehalten werden.

Es empfiehlt sich sogar, ausschließlich zu stillen, denn unsere Daten weisen darauf hin, dass dies ein Schubschutz für Mütter mit Multiple Sklerose nach der Geburt sein kann.

Wie verhält es sich mit der Schwangerschaftsplanung bei MS-Betroffenen?

Der Zeitpunkt für die Schwangerschaft bei Menschen mit Multiple Sklerose sollte in enger Absprache mit dem Neurologen erfolgen.

Beeinflusst Multiple Sklerose die Fruchtbarkeit?

Nein, die Fruchtbarkeit ist durch Multiple Sklerose nicht eingeschränkt, aber MS und ein unerfüllter Kinderwunsch können zufällig zusammen kommen. Frauen mit Multiple Sklerose können sich auch einer Kinderwunschbehandlung unterziehen. Allerdings kann die Krankheitsaktivität während der Behandlung ansteigen. Das muss jeweils mit der Therapie abgestimmt werden.

Weitere Informationen zu Kinderwunsch und Schwangerschaft mit Multiple Sklerose

Frauen mit Multiple Sklerose, die sich über das Schwangerschaftsregister informieren oder teilnehmen wollen, finden weitere Informationen unter www.ms-und-kinderwunsch.de.

Teilnehmen können alle schwangeren Frauen mit Multiple Sklerose, Frauen mit Multiple Sklerose, die kurzfristig schwanger werden wollen und Frauen mit MS und unerfülltem Kinderwunsch, die eine Kinderwunschbehandlung planen.


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