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Lösen Bakterien MS-Schübe aus?

NEW YORK (Biermann) – US-amerikanische Forscher haben möglicherweise einen neuen auslösenden Faktor der Multiplen Sklerose (MS) entdeckt: das Bakterium Clostridium perfringens Typ B. Das Bakterium, von dem anhand der produzierten Gifte fünf verschiedene Stämme (A - E) unterschieden werden, lebt im sauerstofffreien Milieu des Bodens, kann aber auch im Darm von Tieren und Menschen nachgewiesen werden. Vor allem die Typen A und E sind bislang von medizinischer Bedeutung.

Bakteriengift greift die Myelinschicht an

Clostridium perfringens trägt in den Typen B und D ein Gen, das für die Bildung eines nicht aktiven Giftstoffes verantwortlich ist. Diese Substanz wird dann im Magen von Weidetieren in das wirksame Epsilon-Toxin umgewandelt und gelangt dann über den Blutstrom ins Gehirn, wo es Blutgefäße und die Myelinschicht von Nervenzellen angreift. In der Folge zeigen die betroffenen Tiere MS-ähnliche Symptome. Während der D-Typ des Bakteriums bisher nur in zwei Fällen im Menschen nachgewiesen wurde, wurde der B-Typ bislang noch nie im Menschen gefunden.

Dennoch untersuchten die Wissenschaftler die Blut- und Liquorproben von MS-Betroffenen und Kontrollpersonen auf AntikörperAntikörper werden von so genannten B-Lymphozyten gebildet. Sie bilden mit einem Antigen, für das sie spezifisch sind, einen so genannten Antigen-Antikörper-Komplex. Durch diese Komplexierung werden verschiedene Abwehrmechanismen aktiviert. gegen das Epsilon-Toxin. Dabei zeigte sich, dass die Antikörpertiter gegen das Toxin bei MS-Betroffenen rund zehnmal höher waren als bei den Kontrollpersonen. Nur eine von 100 Blutproben der Kontrollpersonen zeigte überhaupt eine Immunreaktion auf das Gift.

Zusätzlich untersuchten die Wissenschaftler Stuhlproben von MS-Betroffenen und Kontrollpersonen, die an einer Studie zur Identifizierung auslösender Faktoren der MS teilgenommen hatten. Dabei zeigte sich, dass 52 Prozent der Kontrollpersonen Träger des Subtyps A von Clostridium perfringens waren, während es bei den MS-Betroffenen nur 23 Prozent waren. "Dies ist insofern von Bedeutung, als wir glauben, dass Typ A des Bakteriums mit den anderen Typen um Ressourcen konkurriert, so dass es die Träger möglicherweise vor einer Besiedelung mit den schädlichen Subtypen schützt", erklärten die Forscher.

Bei der Untersuchung der Stuhlproben entdeckten die Forscher Typ B des Bakteriums schließlich bei einer 21-jährigen Frau mit MS.

Für Nutztiere existiert bereits eine ImpfungErzeugung einer Immunität zur Vorbeugung einer Erkrankung. Bei Impfungen werden aktive und passive Impfungen unterschieden. Bei passiven Impfungen werden lediglich Antikörper injiziert, die gegen den Erreger gerichtet sind und diesen im Falle einer Infektion unschädlich machen. Die aktive Impfung basiert auf der Einbringung einer geringen Menge an abgetöteten Keimen bzw. Erregern in den Körper. Das Immunsystem entwickelt gegen diese Erreger eine Immunantwort. Bei einer Infektion zerstört das derart programmierte Immunsystem den Erreger.

Da der menschliche Verdauungstrakt eigentlich keine günstige Umgebung für das Bakterium darstellt, glauben die Forscher, dass C. perfringens Typ B oder D nach der Infektion eines Menschen in Form eines Dauerstadiums im Darm überlebt. Könne sich der Erreger dennoch vermehren, bilde er kleine Mengen des Toxins, das dann über den Blutstrom ins Gehirn gelangt. "Wir glauben, dass die Vermehrung der Bakterien schubweise erfolgt, was bedeutet, dass der schädliche Faktor zwar immer vorhanden ist, seine hässliche Seite aber nur von Zeit zu Zeit zeigt", schreiben die Autoren.

Bislang ist unklar, wie sich Menschen mit C. perfringens Typ B oder D infizieren, dennoch suchen die Forscher bereits nach möglichen Therapien. Denkbar sind ihrer Ansicht nach eine Impfung, ähnlich wie sie bereits für Nutztiere existiert, oder Wirkstoffe, die eine Bindung des Toxins an Rezeptoren verhindern.


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