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Männer ticken anders

Maenner ticken anders

Multiple Sklerose betrifft beide Geschlechter. Über die damit verbundenen spezifischen Frauenthemen, wie Schwangerschaft, Verhütung, Stillen und Kinderwunsch, wird häufig gesprochen. Aber wie sieht es eigentlich bei den Männern aus? Gibt es bei ihnen auch spezielle Probleme?

Multiple Sklerose verschont weder Frauen noch Männer. Das sogenannte starke Geschlecht ist allerdings seltener betroffen. Bei Frauen tritt die schubförmig verlaufende MS als Ersterkrankung etwa doppelt so häufig auf. Obwohl Männer seltener an einer Multiplen Sklerose leiden, gibt es bei der Symptomatik keine geschlechtsspezifischen Unterschiede. Aber sie leiden öfter an schweren Verläufen, die schneller zur Behinderung führen als bei  Frauen.

Testosteron unter der Lupe

Bislang wurde die eigentliche Ursache der MS noch nicht entdeckt. Da Männer jedoch seltener erkranken, haben Forscher ihr Augenmerk unter anderem auf das männlichste aller Hormone, das Testosteron, gerichtet. Es gibt zwar einige Hinweise darauf, dass es möglicherweise einen positiven Einfluss auf die graue Substanz in bestimmten Hirnregionen und auf die nervenschützende Myelinschicht hat. Aber die durchgeführten Studien hatten entweder so wenige Probanden oder waren Mausmodelle, dass die Ergebnisse dieser Untersuchungen mit großer Vorsicht zu beurteilen sind.

Ein wichtiges Thema: Sexualität und Kinderwunsch

Während bei Frauen mit einer urogenitalen Dysfunktion das sexuelle Leben nicht funktional beeinträchtigt ist, ist das bei Männern schwieriger. Da die Gehirnregionen, in denen sowohl die Blasen- als auch die genitale Funktion gesteuert werden, eng zusammenliegen, können Blasenfunktionsstörungen und erektile Dysfunktion (ED)  zusammen auftreten. Das ist für Männer schwer zu verkraften, da es sich nicht mit dem (potenten) Selbstbild des Mannes verkraften lässt. Was die Männer an dieser Stelle vielleicht tröstet: Den meisten Frauen ist Nähe und Zärtlichkeit viel wichtiger als eine zuverlässige Erektion.

Auf die Fruchtbarkeit hat MS keinen Einfluss. Bleibt die Sexualfunktion erhalten, steht der Zeugung eines Kindes nichts entgegen. Zwar übertragen betroffene  Männer die Multiple Sklerose häufiger auf ihre Kinder als Frauen – jedoch ist das relativ zu sehen. Denn auch wenn das Kind eines Betroffenen ein erhöhtes MS-Risiko gegenüber der Gesamtbevölkerung hat, so besteht doch eine 97-prozentige Chance, dass es keine MS bekommt.  

Pragmatismus oder Verdrängung?

Unterschiede zwischen Mann und Frau scheinen auch auf der Verarbeitungs- und Wahrnehmungsebene liegen. Zumindest ist das der Eindruck, den Ärzte oder Fachberaterinnen im Umgang mit Betroffenen gewinnen. Eine valide Grundlagenforschung zu diesem Thema gibt es nicht. Auch lassen sich nicht alle Betroffenen über einen Kamm scheren. Trotzdem scheint es bei Männern einen tendenziell anderen Umgang zu geben.

Während männliche Patienten beispielsweise bei einem Arztbesuch ihre Konzentrationsprobleme beschreiben, schildern Frauen ihre Müdigkeit und Erschöpfung. Frauen gehen eher gefühlsbetont und häufiger auch depressiv mit der Situation um. Von Männern wird der "Störfaktor" Multiple Sklerose eher beiseitegeschoben. Sie  neigen mehr dazu, die MS zu bagatellisieren, zu verleugnen und konzentrieren sich eher auf aktive Handlungen. Das weckt den Anschein, als kämen sie mit der MS besser zu Recht. Aber Psychologen wissen, dass zur Akzeptanz die Auseinandersetzung mit einem Thema gehört. Ob es stimmt, dass Männer seltener depressiv reagieren, ist schwer zu beurteilen. Denn auch unabhängig von einer Multiplen Sklerose zeigt sich eine männliche Depression anders. Körperlich werden eher Schlafstörungen thematisiert, häufig in Verbindung mit Alkohol. Es ist für einen Mann offensichtlich leichter zu sagen: "Ich schlafe schlecht, ich kann mich nicht konzentrieren" als "Es geht mir schlecht". Es gilt vermutlich auch für depressive  Zustandsbilder im Rahmen der MS, dass sie anders erlebt und anders präsentiert werden.  

Dass Männer im Umgang mit MS stoischer wirken kann grundsätzlich mit einem typisch männlichen Umgang mit dem Thema Krankheit ganz allgemein zu tun haben – Männer gelten ja als Gesundheitsmuffel. Möglicherweise glauben sie aber auch, gar keine andere Wahl zu haben. Denn trotz aller emanzipatorischen Fortschritte sind doch in vielen Fällen noch immer die Männer Hauptverdiener und damit nicht nur für sich, sondern auch den Rest der Familie verantwortlich. Bestimmte Ausfälle wirken sich darum besonders auf Männer aus, da sie häufiger in Berufen arbeiten, die körperlichen Einsatz verlangen. Für jemanden, der beispielsweise auf einem Baugerüst herumklettern muss, haben MS bedingte Bewegungseinschränkungen sicherlich andere Konsequenzen als für jemanden mit einer sitzenden Schreibtischarbeit.

Anderer Umgang mit Diagnose und Therapie

Männer fragen seltener nach neuen Medikamenten. Haben sie ihre Therapie erst einmal abgenickt, bleiben sie in der Regel dabei. Sie sind weniger konfliktbereit und diskutieren im Gegensatz zu Frauen sehr viel seltener mit dem Arzt über mögliche Alternativen. Und noch etwas ist bei Männern anders. Sie sind härter zu sich selbst – aber auch zu anderen. Nicht jede Frau kann nach der MS-Diagnose auf ihren Partner zählen, während betroffene Männer offensichtlich häufiger das Glück haben, dass ihnen ihre Frauen unterstützend zur Seite stehen.


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