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Mit der eigenen Muskelkraft vorankommen

Udo Horn – der seit einem Jahr Multiple Sklerose hat – schwingt sich fast täglich auf sein Liegerad. Er möchte beweisen, dass man nicht immer einen PKW benötigt, um von A nach B zu kommen. Was er bisher mit seinem Rad erlebt hat, schildert er in einem Interview.

Herr Horn, wie äußert sich die MS bei Ihnen?

Ich habe Probleme mit dem Gleichgewicht und Konzentrationsschwierigkeiten. Mein Kurzzeitgedächtnis macht mir recht zu schaffen, da bei mir nicht viel hängen bleibt. Das kann aber auch von dem Gehirntumor stammen, den ich vor 21 Jahren hatte. Körperliche Einschränkungen habe ich nicht. Ich gehe zum Beispiel gern mit meinem Sohn in den Wald. Ich bin zwar körperlich nicht mehr so belastbar, aber beim Fahrradfahren schon. Wenn es sein muss, radle ich 100 km am Tag. 

100 km am Tag? Das klingt recht sportlich!

Also ich bin kein Mountainbiker, fahre auch nicht über Stock und Stein oder in die Berge. Ich fahre flache Langstreckentouren. Dafür habe ich mehrere Liegeräder. Mir ist es wichtig, mit eigener Muskelkraft voranzukommen – und nicht mit diesen Autos, die uns viel kaputtmachen.

Sie mögen keine Autos?

Nein, sie zerstören unsere Straßen und unsere Umwelt – aber vor allem unsere Mobilität! Natürlich braucht man die Kraftfahrzeuge, sonst würde ja alles zusammenbrechen – mit Autos können schließlich auch Leben gerettet werden. Aber wie die Menschen die Autos benutzen, halt für jeden kleinen Meter, das muss nicht sein. Ich wünsche mir, dass sie mit mehr Verstand die Pkws benutzen.

Das Auto nimmt Lebensqualität. Wer ohne Auto lebt, lebt gesünder: Autofreie bewegen sich mehr, leben unbeschwerter. Deshalb bin ich auch seit 10 Jahren im Club „Autofrei leben“. Manche wissen gar nicht, wie es ist, in der Natur und mit eigener Muskelkraft Rad zu fahren. Ich habe einen Bekannten, der täglich 40 km hin und zurück zur Arbeit mit dem Fahrrad fährt. Man könnte viel mehr auf die Kraftfahrzeuge verzichten und das lebe ich vor. Ich bin sogar ohne Auto umgezogen.

Wie haben Sie es denn geschafft, ohne Auto umzuziehen?

Na mit meinem Fahrrad und einem Anhänger. Den Anhänger habe ich in die Hand genommen. Für den Umzug habe ich mein Trike genutzt – ein Liegerad mit drei Rädern. Da braucht man kein Gleichgewicht. Von der alten Wohnung zur neuen waren es nur 2 km. Da ich auch sehr minimalistisch und spartanisch lebe, habe ich wenige Dinge. Zudem habe ich bisher immer in Wohngemeinschaften gewohnt, da war bereits das notwendige Mobiliar vorhanden. Meine jetzige Wohnung ist eine möblierte Ferienwohnung. Eine Waschmaschine hätte ich natürlich nicht mit meinem Rad transportieren können. Aber die Matratze schon! Meine Kinder und Freunde hatten mir angeboten, die Matratze mit dem Auto zu fahren. Doch ich habe sie einfach zusammengebunden, auf den Hänger gelegt und in die neue Wohnung gebracht. Für den Umzug bin ich 15 Mal hin- und hergefahren. Da war ich sehr stolz und habe gezeigt, dass man nicht für alles ein Auto braucht. Aber man muss dazu sagen, dass ich allein lebe. Hätte ich eine Großfamilie, wäre das natürlich nicht möglich.

Gehen Sie auch auf Reisen mit Ihrem Fahrrad?

Ja, das gehe ich auch. Einmal musste ich nach Erlangen zum MRT zu einer routinemäßigen Untersuchung. Und da hatte ich mir zuerst überlegt, Zug zu fahren. Aber heutzutage ist das ja sogar stressig – mit den Verspätungen und den Ausfällen der Züge. Nach Erlangen sind es ca. 60 – 70 km. Da ich früh um neun Uhr da sein musste, bin ich einen Tag eher losgefahren. Ich hatte mein Zelt und meinen Schlafsack dabei. Da es auch schön ist, in der Natur zu übernachten, habe ich mein Nachtlager auf einem Maisacker aufgeschlagen. Wenn ich von solchen Touren wieder heimkehre, geht es mir so gut, weil ich wieder kein Auto gebraucht habe. Ich komme auch immer mit Menschen ins Gespräch, denn als Liegeradfahrer wird man ausgefragt. Ich lasse die Leute dann auch gern Probefahren.

Was war denn das Weiteste, was Sie gefahren sind?

Ich bin jetzt kein Weltumradler. Mir reichen die kleinen Abenteuer hier in Deutschland. Einmal bin ich die Elbe hoch- und wieder runtergeradelt. Ich bin gern allein unterwegs, genieße die Natur und denke nach. Mich zieht es einfach nach draußen. Ob mit Zelt oder auch ohne, Deutschland bietet wunderschöne Ecken, die erkundet werden möchten.

Lieber Herr Horn, vielen lieben Dank für das Interview und weiterhin spannende Abenteuer mit Ihrem Fahrrad!


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