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MS und Darmstörungen

Störungen der Darmfunktion, wie Verstopfung oder Stuhl-Inkontinenz, treten im Verlauf der MS-Erkrankung bei bis zu 70% der Betroffenen auf. Ähnlich wie Blasenfunktionsstörungen sind diese Symptome für Betroffene äußerst belastend und werden daher häufig unter den Tisch gekehrt.

MS-Betroffene leiden dabei meist an Verstopfungen, seltener an einer Inkontinenz des Darms oder an beiden Formen von Darmentleerungsstörungen im Wechsel. Von chronischer Verstopfung spricht man, wenn der Gang zur Toilette circa 3 Tage auf sich warten lässt und dies über längere Zeit anhält. Ist dies der Fall, sollten Betroffene hellhörig werden.

Mögliche Folgen einer Verstopfung sind allgemeines Unwohlsein, Müdigkeit, Hautprobleme und Völlegefühl. Außerdem kann der zurückgehaltene Stuhl eine bestehende Blasenfunktionsstörung weiter verschlimmern oder bestehende Spastiken könnten verstärkt werden. Neben der MS können auch andere Ursachen wie eine falsche Ernährung, zu viel oder zu wenig Flüssigkeitszufuhr oder Verletzungen des Beckenbodens zugrunde liegen.

Neben der Vorstopfung kann es als Begkleiterkrankung der MS auch zu einer Darminkontinenz, also einer ungewollten Entleerung des Darms, kommen. Gründe hierfür können SensibilitätsstörungenEmpfindungsstörungen, Störungen des Schließmuskels, aber auch die Einnahme von Abführmitteln und anderen Medikamenten, stark gewürztes Essen oder psychische Belastungen sein. Wichtig ist auch hier eine ärztliche Abklärung, da auch andere Erkrankungen wie Gastroenteritis oder Darminfektionen die Ursache sein können.

Wie die MS diese Störungen auslöst ist nicht im Detail geklärt und im Einzelfall mitunter schwer zu diagnostizieren. Die Steuerung des Darms wird durch das sogenannte enterische Nervensystem, ein komplexes Geflecht aus Nervenzellen, das nahezu den gesamten Magen-Darm-Trakt durchzieht, bewerkstelligt. Dieses ist mit dem Gehirn über den sogenannten Nervus vagus verbunden. Daher kann eine Schädigung des Nervensystems an verschiedenen Stellen zu einer Störung der Verdauungsfunktionen führen.

Auch andere mit der MS in Verbindung stehende Faktoren können einen Einfluss auf die Darmfunktion haben. So können beispielsweise eine falsche Ernährung aufgrund von Schluckbeschwerden oder eine bewusst zu geringe Flüssigkeitszufuhr, mit der Intention den Harndrang zu kontrollieren, das Verdauungssystem negativ beeinflussen. Auch Medikamente, die begleitend zur Basistherapie eingenommen werden, können Darmstörungen hervorrufen. Darüber hinaus kann mangelnde Bewegung, u.a. aufgrund von FatigueTypisches MS-Symptom: Es zeichnet sich durch sehr schnelle Ermüdbarkeit sowie körperliche und geistige Erschöpfbarkeit des Betroffenen aus. oder Bewegungsstörungen, eine geschwächte Beckenboden- und Bauchmuskulatur und so eine Darmträgheit bedingen.

Umgang und Behandlung von Darmstörungen


Unser Alltag wird leider oft von Hetze und Stress bestimmt. Mitunter bleibt nicht einmal genügend Zeit für den Besuch des "Stillen Örtchens". Zudem berührt der etwas längere Besuch viele mit einer gewissen Peinlichkeit oder mit einem Ekelgefühl, insbesondere, wenn das "Stille Örtchen" nicht in den eigenen vier Wänden aufgesucht werden kann. So presst mancher die Muskeln zusammen und wartet. Andere denken vielleicht wenn sie das Haus verlassen "lieber nichts trinken, wer weiß, wann sich die nächste Gelegenheit ergibt, die Blase zu leeren."

In unserer schnelllebigen Zeit hat sich aber auch die Einstellung gegenüber den Mahlzeiten gravierend geändert. Obwohl immer wieder gepredigt wird, jeden Bissen bewusst zu kauen und sich Zeit zu lassen. Die meisten schaffen es jedoch nicht dies auch im Alltag zu berücksichtigen. Es ist üblich, im Stehen, beim Autofahren oder am Arbeitsplatz den Hunger zu stillen und abends beim Essen die Zeitung oder das Fernsehprogramm gleich mit zu "verdauen".

Dagegen ist ein geregelter Tagesablauf gerade für MS-Betroffene vorteilhaft und auch für die Verdauung günstig: Lassen Sie sich Zeit!

Ein besonderer Wert sollte auf das Frühstück gelegt werden, denn der Entleerungsreflex des Darmes ist etwa eine halbe Stunde nach dieser Mahlzeit normalerweise am stärksten.

Noch ein Tipp am Rande: Oft wird das Zeitungslesen auf dem "Stillen Örtchen" belächelt. Allerdings ist dies manchmal keine so schlechte Idee. Denn Betroffene mit Sensitivitätsstörungen im Bereich des Beckenbodens können diese Symptome oft dadurch verbessern, dass sie länger "sitzenbleiben".

Wenn die Hausmittel nicht helfen


Auch wenn es in der Apotheke eine ganze Reihe frei verkäuflicher Präparate gegen Darmstörungen gibt sollten Verdauungsbeschwerden zunächst einmal vom behandelnden Arzt abgeklärt werden, oftmals kann auch es notwendig sein, einen Gastroenterologen hinzu zu ziehen.

Neben verschiedenen medikamentösen Möglichkeiten gibt es Hinweise, dass Biofeedback – eine Technik, die der psychosomatischen Forschung entstammt – hilfreich sein kann. In seltenen und sehr schweren Fällen stehen außerdem chirurgische Techniken zur Verfügung.

Tipps für einen aktiven Darm:

 

 

  • Ernährungsumstellung
    Bei Verstopfungen ist es wichtig, auf eine ballaststoffreiche Ernährung und ausreichende Flüssigkeitszufuhr zu achten. Essen Sie viel Obst, frisches Gemüse und Vollkornprodukte.

  • Viel Trinken! Wenig Flüssigkeit lässt den Stuhl hart werden, was die Entleerung des Darms schmerzhaft und schwer werden lässt.
    Tipp:
    Trinken Sie morgens als erstes etwas Warmes, das regt die Darmtätigkeit an. Hilfreich kann auch ein Glas Pflaumensaft sein.

  • Essen Sie regelmäßig und zu möglichst gleichen Zeiten. Der Rhythmus ihres Verdauungssystems passt sich an. So können Sie Ihren Gang auf die Toilette besser vorhersehen und Missgeschicke vermeiden.

  • Nicht nur was wir essen, sondern wie wir essen ist für eine gute Verdauung wichtig. Nehmen Sie sich Zeit zum Essen und bedenken Sie, die Verdauung beginnt schon im Mund. Genießen Sie jeden Bissen, indem Sie Ihn gut kauen.

  • Richten Sie die Mahlzeiten liebevoll an – das Auge ist mit. Auf das Fernsehen oder Lesen kann man am Tisch ja auch öfter einmal verzichten.

  • Warten Sie bei Verstopfungen nicht länger als zwei bis drei Tage. Die Einnahme von Abführmitteln sollte jedoch nur in Absprache mit ihrem Arzt und nach der empfohlenen Dosierung erfolgen.

  • Bewegung wie Gehen kann helfen, den Darm in Schwung zu bringen.

  • Bei häufigen Durchfällen sollte unbedingt die Ursache ärztlich geklärt werden.

  • Sprechen Sie mit ihrem Arzt, bevor Sie Medikamente gegen Durchfall in der Apotheke erwerben.

 

Und jetzt auch noch die Weihnachtszeit!


Damit Ihnen die Weihnachtstage nicht zu sehr auf den Magen schlagen und sich anschließend auf den Hüften breit machen, versuchen Sie es mal ohne Dickmacher, "Darmverkleber" und Kalorienbomben. Stellen Sie Gemüse, Obst und Vollkornprodukte auch zur Weihnachtszeit in den Mittelpunkt.

Eine "große Gefahr" ist allerdings der traditionelle bunte Teller, Schokolade und Kekse dürfen hier nicht fehlen. Doch sind gerade diese eine regelrechte Bremse für den Darm. Schokolade kann wie Kleister wirken und das Weißmehl in den Butterkeksen kann eine Verstopfung verschlimmern. Lieber mehr Mandarinen oder exotische Früchte auf den Teller legen und anstelle des Dominosteins einen Apfel. Dann klappt es auch mit der Verdauung! Weihnachten ist auch Zeit für Trockenobst. Getrocknetes Obst führt ebenso wie frisches Obst dem Darm Ballaststoffe zu und enthält weitere Stoffe, die den Stuhlgang anregen. Allerdings sollten Sie ausreichend dazu trinken.


Quellen:

www.nationalmssociety.org
DasGupta R, Fowler CJ. Bladder, bowel and sexual dysfunction in multiple sclerosis: management strategies. Drugs. 2003;63(2):153-166.
Wiesel PH, Norton C, Glickman S, Kamm MA. Pathophysiology and management of bowel dysfunction in multiple sclerosis. Eur J Gastroenterol Hepatol. 2001; 13(4): 441-448.


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