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Orales Cannabis hilft nicht bei akuten Schmerzen

WIEN (MedCon) – Eine Studie, die in der Juliausgabe im Journal Anesthesiology erscheint, hat aufgedeckt, dass orales Cannabis (eine Form des medizinischen Marihuanas) nicht nur bei der Linderung bestimmter Schmerztypen versagte, sondern – überraschenderweise – sogar die Empfindlichkeit für einige Schmerzformen steigerte.

In ihrer Forschungsarbeit hatten Dr. Birgit Kraft und ihre Kollegen von der Medizinischen Universität in Wien die schmerzlindernde Potenz eines oral verabreichten Cannabisextrakts untersucht, das die wichtigste psychoaktive Komponente Tetrahydrocannabinol (THC) enthielt.

"Das überraschende Ergebnis unserer Studie war das Fehlen jeglicher schmerzlindernder Aktivität eines Cannabisextrakts mit standardisiertem THC-Gehalt bei experimentell ausgelöstem Schmerz", sagte Dr. Kraft. "Unsere Ergebnisse scheinen auch den Eindruck zu unterstützen, dass hohe Dosen von Cannabinoiden bei bestimmten Schmerzzuständen sogar eine erhöhte Sensibilität verursachen können."

In der Studie hatten 18 gesunde weibliche Freiwillige ein orales Cannabisextrakt oder Placebo erhalten und beurteilten dann die Schmerzschwellen für Hitze und Strom auf Hautbereichen, auf denen zuvor ein künstlicher Sonnenbrand ausgelöst worden war – ein akzeptierter Ansatz, um Reaktionen auf akuten Schmerz zu testen.

Frühere Studien hatten darauf hingedeutet, dass Cannabis und THC bei der Behandlung chronischer Schmerzen wirksam sein könnte – beispielsweise bei Krebspatienten, Patienten mit Verletzungen des Rückenmarks oder MS-Patienten. Außerdem hatten einige Studien an Patienten mit akuten Schmerzen nützliche Effekte gezeigt, auch wenn die Ergebnisse nicht einheitlich waren.

"Der Vergleich mit älteren klinischen Daten zeigt, dass das Ausbleiben einer Schmerzreduktion bei der in unserer Studie oral eingenommenen Cannabisdosis nicht auf eine falsche Dosierung oder eine unzureichende Aufnahme im Magen-Darm-Trakt zurückgeführt werden kann", sagte Dr. Kraft. "Die hohen THC-Werte im Blut unserer Studienteilnehmer und das Auftreten der typischen Nebenwirkungen von THC sprechen für eine ausreichende Verfügbarkeit. Deshalb schlussfolgern wir, dass THC akute Schmerzen nicht lindern kann."

Kraft betonte dennoch, dass Cannabis trotzdem eine brauchbare Option für bestimmte Patienten mit chronischen Schmerzen bleibe.

"Schmerz ist ein sehr komplexes und subjektives Phänomen", sagte sie. "Für chronische Schmerzen wurde nicht nur nachgewiesen, dass die zu Veränderungen in den Prozessen peripherer und zentraler Nerven führen, sondern dass sie auch mit psychosozialen Problemen, physischen Erkrankungen und funktionellen Behinderungen einhergehen. Aktuelle Studien deuten darauf hin, dass Cannabis bei der Behandlung bestimmter Typen chronischer Schmerzen wirksam sein kann und Patienten im Umgang damit hilft, indem es die Lebensqualität erhöht."

"Bei Patienten mit akuten Schmerzen bewirken schmerzlindernde Medikamente wie Narkotika oder nichtsteroidale antientzündliche Medikamente (NSAIDs) eine verlässlichere und stärkere Schmerzlinderung", sagte Kraft.

Quelle: Anesthesiology, V 109, No 1, Jul 2008: 101-110


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