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Roadtrip am anderen Ende der Welt

Drei Monate lang mit dem Campingwagen durch Australien – und das mit dem Rollstuhl.
Was sie alles erlebt hat und wieso diese Reise so wichtig für sie war, schildert die lebensfrohe Frau in einem Interview.

Frau Uhlemair, wann haben Sie die Diagnose MS erhalten und wie äußert sie sich bei Ihnen?

Die Diagnose habe ich im Oktober 2003 erhalten. Angefangen hat es bei mir mit Gelenkschmerzen, Schwindel und Kraftlosigkeit. Meinen Neurologen hat das sehr an MS erinnert, wobei Gelenkschmerzen eigentlich untypisch sind. Aber schon beim MRT hat man deutlich die Entzündungsherde gesehen. Nach der Diagnose war ich zum Teil fast froh, weil ich endlich wusste, was Sache ist.

Sind Sie aufgrund der Kraftlosigkeit teilweise auf den Rollstuhl angewiesen?

Ich hatte schon immer Probleme mit der Hüfte. Die Kraftlosigkeit kommt aber von der MS. Den Rollstuhl nehme ich nur, wenn es sein muss. Wenn ich weiß, dass es weite Strecken sind, dann nehme ich ihn mit, schiebe ihn und wenn es nicht mehr geht, setze ich mich rein. Viel laufen kann ich nicht, meine Ausdauer ist unter aller Kanone. Autofahren funktioniert aber gut, allerdings nur Automatik wegen meines Fußes, der hin und wieder unbeweglich ist – in Australien hatte ich einen Automatik-Camper.

Was hat Sie denn dazu veranlasst, nach Australien zu reisen?

Australien war schon immer mein Traumziel. Ich habe Bücher gelesen, Sendungen im Fernsehen angeschaut. Nachdem meine Schwester und ich unseren Anteil eines geerbten Hauses verkauft hatten, besaß ich ein wenig Geld. Meine Schwester hat dann zu mir gesagt: „Mensch, du wolltest doch schon immer mal nach Australien – mach das doch jetzt.“ Und so ging es dann los mit der Planung.

Wie sah Ihre Reise in Australien aus?

Ich bin von München über Singapur nach Darwin geflogen. Insgesamt bin ich in drei Monaten ein bisschen mehr als 13.000 km gefahren, von Darwin nach Alice Springs durch das Outback und dann entlang der Ostküste, immer wieder ins Land hinein. Eigentlich wollten wir zu zweit fahren, aber daraus ist leider nichts geworden. Deswegen bin ich dann alleine gereist. Verständigt habe ich mich mit Händen und Füßen, weil mein Englisch nicht besonders gut ist. Das hat aber gut funktioniert.

Drei Monate und 13.000 km sind nicht wenig. Was war auf dieser Reise Ihr persönliches Highlight? An welches Erlebnis erinnern Sie sich gern?

Meine Nummer eins sind die Tiere, dann die Landschaft. Überhaupt mag ich Tiere sehr gern, manchmal mehr als Menschen. Deswegen war es für mich so schön, einen Koala auf dem Schoß zu haben und Kängurus und tasmanische Beutelteufel zu streicheln.

Ich war auch auf Phillip Island. Dort findet man die größte Zwergpinguinpopulation Australiens. Ich stand mit meinem Rollstuhl auf dem Steg im Meer, sodass die Mamas und Papas, die vom Meer kamen, auf dem Weg zu ihren Babys direkt zwischen meinen Füßen hindurch mussten. Das war unbeschreiblich.

Wenn ich in meinem Camper lag, habe ich mir den Sternenhimmel angesehen und die Flughunde beobachtet. Das war jedes Mal irgendwie unheimlich und doch sehr schön. Und einmal hat ein Emu in meinen Camper reingeschaut. Er stand da, ganz nach dem Motto: „Hallihallo, wie geht’s dir?“

Besonders beeindruckt hat mich auch der Ayers Rock, das Heiligtum der Aborigines. Von der Ferne sieht er aus wie ein riesiger Berg. Geht man dann näher ran, sieht man, dass es lauter einzelne Felsen sind – einer sah zum Beispiel aus wie ein Kinderkopf!

Waren die MS oder der Rollstuhl keine Hindernisse auf der Reise?

Am Anfang war es mit der MS nicht einfach, die Hitze hat mir zu schaffen gemacht. Das Laufen hat mir ein wenig Probleme bereitet, die letzten sechs Wochen ging es dann aber zum Glück besser.

Australien ist außerdem nicht besonders rollstuhlfreundlich. Es ist zum Beispiel sehr schwer, ein rollstuhlgerechtes Taxi zu finden. Einmal habe ich gezahlt, steige aus – in dem Moment gibt der Fahrer Gas und mein Rollstuhl ist noch drin. Da habe ich einen Schrei losgelassen! Eine Frau hat sofort reagiert und ist gleich hinterher. Zum Glück hat das Taxi gehalten.

Generell sind die Australier sehr hilfsbereit. Ich hab auch sehr viel Herzlichkeit erfahren. Wenn ich Probleme hatte, habe ich einfach gefragt. Und wenn man kein Englisch kann, erklären sie es einem so lange, bis man es verstanden hat.

Gab es Momente während der Reise, in denen Sie dachten: Ich möchte nicht mehr, ich fahre nach Hause?

Ja, diese Momente hat es gegeben. Zweimal hätte ich fast abgebrochen. Zu Beginn hatte ich keinen Appetit mehr und es ging mir nicht gut. Das Laufen hat manchmal Probleme bereitet, die Augen auch. Aber das hat nachgelassen. Mein Motto war: Alles aufsaugen. Mich an den kleinen Dingen und Momenten erfreuen.

Für mich hat die Reise vor allem bedeutet, Zeit für mich zu haben. Mir ist viel durch den Kopf gegangen, ich habe mich besser kennengelernt. Ich habe einfach über mich nachdenken können, über meine Situation. Die drei Monate waren sehr intensiv. Für mich persönlich war die Reise sehr wichtig.

Würden Sie diese Reise noch mal wagen?

Sofort wieder! Ich bin jetzt schon so lange wieder da, aber es gibt keinen Tag, an dem ich nicht an Australien denke. So viele unerwartete Erlebnisse! Wenn mir jemand sagen würde: Du kannst nächste Woche nach Australien fliegen – ich würde sofort meine Sachen packen und weg wäre ich.

Frau Uhlemair, lieben Dank für das Gespräch!



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