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Stammzelltherapie bei früher MS – ermutigende Ergebnisse

CHICAGO (MedCon) – Eine Therapie mit Stammzellen aus dem Knochenmark hat in einer Studie das Fortschreiten der Multiplen Sklerose verlangsamt. Mangels Vergleichsgruppe sind die Ergebnisse, die in der Märzausgabe von Lancet Neurology erschienen sind, jedoch kein Beweis für die Wirksamkeit der Therapie, die zudem nicht ohne Risiken ist.

Bei dem Therapieansatz wird das aggressive ImmunsystemDas Immunsystem ist ein komplexes System von Zellen und Zellfunktionen in einem Lebewesen. Es dient der Abwehr von fremden Substanzen und Krankheitserregern. gegen ein anderes ausgetauscht, das die AntigenEin Antigen ist ein Eiweiß (Protein) oder auch ein synthetischer Stoff. Es handelt sich dabei um einen Bestandteil der Oberfläche von Bakterien, Viren oder sonstigem Material, das vom Körper als "fremd" erkannt wird. Ein Antigen ist die Voraussetzung dafür, dass der Körper fremdes Material erkennen und entfernen kann. auf den MyelinscheideNervenfaserhülle, die das Axon umgibt und aus Myelin gebildet wird. toleriert. Dazu wird das Knochenmark des behandelten MS-Patienten durch eine Chemotherapie weitgehend zerstört und dann durch die zuvor entnommenen Stammzellen wieder neu aufgebaut. Dieser Ansatz ist nicht neu, wurde bisher jedoch nur bei Patienten mit fortgeschrittener Erkrankung durchgeführt – mit unbefriedigenden Ergebnissen.

Für die aktuelle Studie wählte Studienleiter Richard Burt von der Feinberg School of Medicine in Chicago Patienten aus, deren Erkrankung weniger weit fortgeschritten war. Es handelte sich um 21 Patienten im Alter von 20 bis 53 Jahren mit schubförmig remittierender Verlaufsform (RRMS), bei denen der Beginn der Erkrankung im Durchschnitt erst fünf Jahre zurücklag.

Die Studienteilnehmer hatten nicht auf eine mindestens sechsmonatige Behandlung mit Interferon beta angesprochen. Außerdem hatten die Patienten in den vorangegangenen zwölf Monaten zwei mit Steroiden behandelte Rezidive erlitten oder es war zu neuen Läsionen in der KernspintomographieDie Kernspintomographie (= Magnetresonanztomographie, MRT) ist ein Bild gebendes Diagnoseverfahren, das durch die Einbringung des Betroffenen in Magnetfelder verschiedene Strukturen des Körpers sehr konstrastintensiv und differenziert darstellen kann. Die Methode macht sich den unterschiedlichen Wassergehalt der verschiedenen Gewebe zu Nutze. Durch die MRT ist der Betroffene keiner Strahlenbelastung ausgesetzt. gekommen. Dieser Verlauf ließ eine weitere Verschlechterung erwarten.

Die Therapien wurden zwischen Januar 2003 und Februar 2005 durchgeführt. In den darauffolgenden 24 bis 48 Monaten stabilisierte sich der Zustand der Patienten. Zwar erlitten fünf der 21 Patienten zwischenzeitig einen neuen Schub, von dem sie sich allerdings vollständig erholten.

Bei 17 der 21 Patienten kam es sogar zu einer Verbesserung um wenigstens einen Punkt auf der Kurtzke-Skalasiehe EDSS (Expanded Disability Status Score, EDSSDie EDSS (Expanded Disability Status Scale), auch als Kurtzke-Skala bekannt, ist eine Skala zur Erfassung von neurologischen Ausfällen. Dabei werden die Stufen 0-10 unterschieden: Die Stufe 0 entspricht keiner Behinderung. Es werden insbesondere die Gehfähigkeit sowie acht weitere Funktionssysteme bewertet, z.B. bedeutet EDSS 2.0 leichte Behinderung in einem funktionellen System, EDSS 4.0 gehfähig ohne  Hilfe und Ruhepause für mindestens 500m und während 12 Stunden aktiv trotz relativ schwerer Behinderung. EDSS 6.0 bedeutet gehfähig für etwa 100m mit einseitiger oder zeitweiliger Unterstützung (Gehhilfe). Auf Stufe 9 ist der Betroffene hingegen vollständig pflegebedürftig. 10 bedeutet Tod durch MS. Eine detaillierte Übersicht zum EDSS finden Sie auf der Seite der DMSG.). Die Studie hatte allerdings keine Vergleichsgruppe, sodass – trotz der vielversprechenden Ergebnisse – offen bleibt, ob die Stammzelltherapie tatsächlich wirksam ist.

Als Nebenwirkungen der Therapie infizierte sich ein Patient mit Clostridium difficile und entwickelte eine Diarrhoe, bei zwei Patienten kam es zu einem Herpes zoster, zwei weitere entwickelten eine immun-thrombozytopenische Purpura, eine Autoimmunkrankheit, die die Blutplättchen betrifft. Alle Patienten erholten sich von den Komplikationen.

Der Herausgeber der Ausgabe, Gianluigi Mancardi von der Universität Genua, hält die Toxizität der Therapie zwar für vertretbar, bezweifelt allerdings angesichts der fünf Patienten mit erneuten SchübeEin Schub bei MS bedeutet, dass neue Symptome oder Beschwerden auftreten oder sich schon bestehende Krankheitszeichen verschlimmern. Dies ist Ausdruck einer erneuten Entzündungsaktivität im Gehirn., dass die Therapie auf lange Sicht erfolgreich sein wird.

Quelle: Burt R. K. et al., The Lancet Neurology, 2009 Jan 30; www.thelancet.com


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