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Unterwegs mit einem Motorrad der besonderen Art

Erholung und Kultur, das bieten Odenwald sowie Spessart – und außerdem kurvenreiche Bergstraßen, die jedes Bikerherz höher schlagen lassen. So auch das von Olaf Schumacher, den es an sonnigen Wochenenden gemeinsam mit Freunden auf ihren motorisierten Zweirädern dorthin zieht. Doch diese Spritztouren schienen im Herbst 2013 erst einmal in weite Ferne zu rücken. Der 38-Jährige konnte plötzlich auf einem Auge nur noch verschwommen sehen, was sich mehr und mehr verschlimmerte. Der Besuch im Krankenhaus brachte Klarheit: Multiple Sklerose. Wie es danach weiterging und wie man von einem Tattoo auf die Idee kommt, sein Motorrad mit Aktiv mit MS Aufklebern zu versehen, erzählt uns der lebensfrohe Motorradfahrer in einem Interview.

Herr Schumacher, wie äußerte sich die Multiple Sklerose bei Ihnen?

Naja, ich konnte auf einem Auge nur noch verschwommen sehen und bin zum Augenarzt. Der hat mir dann ein paar Tropfen verschrieben und meinte, dass ich wiederkommen soll, wenn es nicht besser wird. Nach drei Tagen wurde es dann so schlimm, dass ich in die Notaufnahme musste. Als ich ins Krankenhaus kam, hatte ich ein Sehvermögen von 0,1. Das war vermutlich der erste Schub. Ich bekam dann Kortison und nach 5 Tagen waren es 0,9. Vier Wochen später hatte ich schon wieder 1,1. Es ist jetzt immer noch verschwommen, man muss nun schauen, was wird.  

Was waren Ihre Gedanken und Befürchtungen, als Sie von der MS erfahren haben?

Erst einmal, wie ich es erfahren habe bzw. wie es mir mitgeteilt wurde, war regelrecht lachhaft. Denn die Ärztin im Krankenhaus drückte mir lediglich ein Buch in die Hand und sagte: "Hier lesen Sie sich das durch." Und ich schaute auf das Buch und da stand: "Mein Leben mit Multipler Sklerose". Das war wirklich heftig.

Durch das verschwommene Auge habe ich die MS ja ständig vor mir – dadurch ist sie immer allgegenwärtig. So grübelt man dann doch in einer ruhigen Minute darüber nach und denkt, dass es hoffentlich so gut weitergeht. Besonders abends auf der Couch oder im Bett kreisen die Gedanken um das Thema. Doch ich bin ein positiv denkender Mensch und was bringt es mir, Schlimmeres zu befürchten? Deshalb lebe ich mein Leben so weiter wie bisher.

Wie haben Familie und Freunde reagiert?

Naja, vor allem meine Mutter war geschockt und hatte große Angst. Es ist wichtig, darüber zu reden. Und ich bin von Anfang an sehr offen damit umgegangen, sei es in der Familie oder im Freundeskreis. So wurde das Thema auch an Grillabenden mit Freunden nicht außen vor gelassen, sondern es wurde ganz ehrlich und manchmal auch spaßig darüber gesprochen. Ebenfalls Rückendeckung habe von meiner Chefin bekommen. Nachdem ich es ihr erzählt hatte, meinte sie, sie kenne gute Neurologen, und wollte auch gleich Termine für mich ausmachen.

Wenn man anderen von der MS erzählt, gibt es dann doch mehr Menschen, die auch davon betroffen sind, als man denkt – sei es die Tante, Bekannte oder selbst Arbeitskollegen. Und keiner von Ihnen ist negativ eingestellt – nach dem Motto: "MS und jetzt ist alles vorbei." Ganz im Gegenteil!

Trotz des verschwommenen Auges gehen Sie Ihrem Hobby, dem Motorradfahren, nach. Was bedeutet es für Sie?

Also ich will jetzt nicht sagen, Freiheit oder so etwas Ähnliches – das klingt viel zu abgedroschen. Ich fahre auch nicht Motorrad, um von A nach B zu kommen. Das Fahren an sich bereitet mir einfach Spaß. Ich habe seit 22 Jahren einen Motorradführerschein und bin vorher auch schon Moped gefahren. Darin gehe ich auf und es ist einfach ein schönes Erlebnis, gemütlich durch den Odenwald, Spessart oder Bayrischen Wald zu biken. Diese Tagesausflüge bereiten mir Freude.

Im Mai werde ich zusätzlich die Rennstrecke in Hockenheim testen. Vor allem will ich erst einmal probieren, wie es dann mit dem Auge ist – ob ich überhaupt so fahren kann, wie ich mir das vorstelle. Oder ob ich merke, dass ich es lieber sein lassen sollte. Außerhalb der Motorradsaison bastle, schraube ich an meinen Motorrädern und lackiere sie auch mal um.

Gibt es denn ein Erlebnis mit dem Motorrad, was Sie nie vergessen werden?

Ja, das gibt es. Das erste Mal mit dem Knie auf dem Boden! Das ist eine bestimmte Technik, um in Schräglage durch Kurven zu fahren. Man nennt sie auch "hanging-off". Und das übt und probiert man eine Ewigkeit. Nie gelingt es und dann plötzlich passiert es – man erschrickt, weil das Knie auf dem Boden ist! In diesem Moment habe ich unter meinem Helm nur noch gegrinst und es innerlich gefeiert. Das werde ich nie vergessen!  

Sie möchten Ihr Motorrad mit dem Aktiv mit MS Logo versehen. Wie sind Sie auf diese Idee gekommen?

Das hat eine kleine Vorgeschichte. Ich trage einige Tätowierungen am Körper und in einer lustigen Runde mit Freunden kam die Idee auf, mir mein MRT-Bild auf die Wade tätowieren zu lassen. Durch das ganze Reden um das "Bemalen" sind wir irgendwann auf das Motorrad gekommen. Eine knallige Farbe und dazu besondere Aufkleber sind auf der Rennstrecke auffälliger als ein normales schwarzes Motorrad und werden von den Fotografen besser erkannt. Und mit Aktiv mit MS Aufklebern fährt niemand außer mir rum.  

Gibt es etwas, das Sie anderen MS-Betroffenen mit auf den Weg geben möchten?

Sie sollen so leben wie ich – also einfach weiter wie bisher. Solange man keine schweren körperlichen Einschränkungen hat, sollte man das machen, was einem Spaß bereitet! Ein paar der Informationsbroschüren zu Multipler Sklerose haben mich zum Teil schon runtergezogen. Darin standen solche Tipps wie: "Mal einen Tag mir was gönnen", "Einmal an den See fahren" oder "Für ein paar Stunden die Sonne genießen". Heißt das etwa, nur weil ich MS habe, kann ich keine Sonne mehr genießen oder an den See fahren? Das habe ich vorher getan und werde es auch in Zukunft tun! Die kleinen schönen Dinge im Leben behalte ich bei, so oft und wann ich will – wie immer halt!        

Lieber Herr Schumacher, vielen lieben Dank für das erfrischende Interview.


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