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Forscher finden Zusammenhang zwischen Darmflora und Immunsystem bei MS

Forscher finden Zusammenhang zwischen Darmflora und Immunsystem bei MS
BASEL (Biermann) – Immer mehr Studien deuten darauf hin, dass die Darmflora eine Rolle bei der Multiplen Sklerose (MS) spielt. Andererseits ist nachgewiesen, dass Immunzellen für die MS-bedingten Schäden am Nervensystem verantwortlich sind.

Entsprechend zielen viele Therapien darauf ab, schädliche Immunzellen zu eliminieren oder zu hemmen. Wie sich Darmbakterien und Immunzellen gegenseitig beeinflussen, war bislang jedoch unbekannt.

Neuere MS-Therapien setzen darauf, bestimmte Immunzellen, die sogenannten B-Lymphozyten oder B-Zellen, aus dem Blut zu entfernen. Allerdings konnten Forscher aus der Schweiz, bereits vor einigen Jahren zeigen, dass man dabei besser kein zu breites Spektrum der verschiedenen B-Zellen entfernen sollte, da dies die MS sogar noch verschlimmern kann.

Eine mögliche Erklärung hierfür hat das Forschungsteam um PD Dr. Anne-Katrin Pröbstel nun in Zusammenarbeit mit Kollegen aus den USA, Deutschland, Kanada und Schweden entdeckt: Bestimmte B-Zellen schlagen nämlich eine Art Brücke zwischen der Darmflora und den Entzündungsherden im zentralen Nervensystem und wirken dort entzündungshemmend.

Immunzellen für Darm und Hirn

Im Mittelpunkt ihrer Untersuchung standen sogenannte IgA-produzierende B-Zellen, kurz IgA-B-Zellen. Bei Immunglobulin A (IgA) handelt es sich um eine Klasse von AntikörperAntikörper werden von so genannten B-Lymphozyten gebildet. Sie bilden mit einem Antigen, für das sie spezifisch sind, einen so genannten Antigen-Antikörper-Komplex. Durch diese Komplexierung werden verschiedene Abwehrmechanismen aktiviert., die insbesondere die Immunabwehr der Schleimhäute sicherstellt. Die IgA-B-Zellen sind damit beispielsweise für die Darmgesundheit zentral.

Durch Analysen von Stuhlproben von MS-Betroffenen sowie Kontrollpersonen stellten die Forschenden fest, dass Menschen mit MS im Darm IgA-B-Zellen tragen, die sich insbesondere gegen MS-typische Darmbakterien richten – also solche, die gehäuft bei MS-Betroffenen vorkommen. Zudem fanden die WissenschaftlerInnen heraus, dass sich die IgA-B-Zellen bei MS-Betroffenen mit akuten Entzündungsherden im Liquor"Nervenwasser", Flüssigkeit im Zentralnervensystem, die Gehirn und Rückenmark umspült. Sie schützt das Zentralnervensystem vor mechanischer Verformung und spielt eine Rolle im Stoffwechsel sowie möglicherweise der Informationsvermittlung im Gehirn. und im Hirngewebe ansammelten.

„Offenbar wandern diese Immunzellen aus dem Darm zu den Entzündungsherden im zentralen Nervensystem und schütten dort einen entzündungshemmenden Botenstoff aus“, fasst Pröbstel die Ergebnisse zusammen. „Das erklärt, warum sich die Erkrankung verschlimmert, wenn man diese Immunzellen mit Medikamenten aus dem Blut entfernt.“

Auslöser noch unbekannt

Was genau die IgA-B-Zellen als Helfer gegen MS aktiviert und dazu anregt, vom Darm ins ZNSZentralnervensystem zu wandern, wollen die WissenschaftlerInnen weiter unterschen. „Wenn wir den Auslöser dafür finden, könnten wir dies zur Behandlung von MS nutzen“, ist Pröbstel optimistisch. Denkbar wäre beispielsweise, die Zusammensetzung der Darmflora von Betroffenen gezielt zu verändern, um die IgA-B-Zellen als Helfer gegen die Entzündungen im Nervensystem zu mobilisieren.