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Integrierte Versorgung MS: Seltener ins Krankenhaus, mehr Zeit für Gespräche

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KÖLN (Biermann) - Die Integrierte Versorgung (IV) von Menschen mit Multipler Sklerose (MS) im Rheinland bewährt sich: Wer an dem Vertrag zwischen dem Berufsverband Deutscher Neurologen (BDN) und neun verschiedenen Krankenkassen teilnimmt, muss nur halb so oft ins Krankenhaus wie Betroffene, deren Krankenkasse dem Vertrag nicht beigetreten ist. Das zeigt eine Auswertung des IV-Vertrages, den Ärzte und Krankenkassen nun auch verlängert haben.

„Weniger Klinikaufenthalte bedeuten für die Betroffenen eine deutlich höhere Lebensqualität und für die Kassen weniger Kosten“, kommentiert der BDN-Vorsitzende Dr. Uwe Meier die Ergebnisse der Evaluation.

Im Jahr 2006 hatten der Berufsverband, die AOK Rheinland/Hamburg und die Deutsche Multiple Sklerose-Gesellschaft (DMSG) Strategien entwickelt, um die Zusammenarbeit zwischen Praxen und Kliniken zu optimieren. Sie definierten außerdem Leistungen, die den Patienten im Rahmen einer Integrierten Versorgung zusätzlich zur Verfügung stehen sollten. Dazu gehören zusätzliche vertiefende Untersuchungen, Patientenschulungen und die Zeit, Patient besonders ausführlich zu beraten.

„Bei diesen Beratungen geht es oft um Probleme psychosozialer Art, beispielsweise den Umgang mit der FatigueTypisches MS-Symptom: Es zeichnet sich durch sehr schnelle Ermüdbarkeit sowie körperliche und geistige Erschöpfbarkeit des Betroffenen aus., einer ausgeprägte Müdigkeit, die für 60 Prozent der MS-Betroffenen das belastendste Symptom überhaupt darstellt“, sagte Meier.

Die Fatigue ist gerade im Berufsleben oft ein großes Problem. Viele Betroffene fragen sich, wie sie mit ihrer verminderten Belastbarkeit, möglichen Defiziten bei der Konzentration und der Müdigkeit zurechtkommen sollen. „Dies sind enorm zeitintensive Fragen, bei denen die Patienten sehr viel Unterstützung benötigten“, erklärte der BDN-Vorsitzende. In der ambulanten Regelversorgung fehle aber oft die Zeit für diese intensive neuropsychologische und psychologische Betreuung.

Seltener stationäre Behandlung notwendig

Die Auswertung der vergangenen acht Jahre zeigt außerdem: Gründe für eine stationäre Behandlung bei MS-Betroffenen sind beispielsweise Infektionskrankheiten und Symptome wie Depression oder Fatigue. Allerdings wurden an dem Vertrag teilnehmende MS-Betroffene nur etwa halb so oft stationär aufgenommen wie Personen mit MS, die nicht an der IV teilnahmen.

„Viele Betroffene fragen, warum sie an diesem sinnvollen Vertrag nicht teilnehmen dürfen. Ihnen muss ich erklären, dass ihre Krankenkasse an dem Projekt nicht teilnimmt“, bedauert Meier. Im Jahr 2012 waren im Rheinland neun Krankenkassen, 126 niedergelassene Neurologen und zwölf neurologische Kliniken beteiligt. Mehr als 1200 Menschen mit MS waren in das IV-Programm eingeschrieben.

„Es könnten deutlich mehr der rund 300.000 MS-Betroffenen in Deutschland von dieser intensivierten Betreuung profitieren, wenn andere Krankenkassen sich der IV-Versorgung anschließen würden“, stellte Meier fest.



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