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Mit minus 110 Grad die Leistung steigern

mit minus 110 grad die leistung steigern
Nur mit einem Badeanzug bekleidet, traut sich Dagmar Meyer in eine auf minus 110 Grad heruntergekühlte Kältekammer. Um ihre Fatigue zu lindern, absolviert die lebensfrohe Frau aus Bamberg zweimal im Jahr eine Ganzkörperkältetherapie.

Frau Meyer, wann wurde bei Ihnen MS diagnostiziert? Wie äußerte sich die MS bei Ihnen?

Ich hatte wohl 1997 schon den dritten Schub. Ich konnte mit der linken Hand nichts festhalten oder greifen. Also, wenn ich etwas in der Hand halten wollte, habe ich es gleich wieder losgelassen, wie beispielsweise ein Messer beim Gemüse schneiden. Daraufhin ging ich zum Neurologen und er fragte mich, ob ich so etwas schon einmal hatte.

Da sagte ich ihm, dass ich während meines Studiums schon zweimal beim Arzt war. Ich hatte so ein Zittern des Sehnervs und sah verschwommen, was ein bis zwei Tage anhielt und dann wieder verschwunden war. Dann hatte ich irgendwann ein taubes Gefühl in der linken Körperhälfte, was auch schnell wieder weg war. Das taube Gefühl wurde auf eine ImpfungErzeugung einer Immunität zur Vorbeugung einer Erkrankung. Bei Impfungen werden aktive und passive Impfungen unterschieden. Bei passiven Impfungen werden lediglich Antikörper injiziert, die gegen den Erreger gerichtet sind und diesen im Falle einer Infektion unschädlich machen. Die aktive Impfung basiert auf der Einbringung einer geringen Menge an abgetöteten Keimen bzw. Erregern in den Körper. Das Immunsystem entwickelt gegen diese Erreger eine Immunantwort. Bei einer Infektion zerstört das derart programmierte Immunsystem den Erreger. geschoben, die ich bekommen hatte. Damals wurde nichts diagnostiziert.

Dieses Mal schickte mich der Neurologe sofort ins Krankenhaus. Nach einigen Untersuchungen bekam ich die Diagnose MS. Seit 1999 hatte ich auch keinen Schub mehr. Was ich aber habe, ist diese chronische Erschöpfung. Ich bin zum Beispiel morgens aufgestanden, habe mir Frühstück gemacht und musste mich danach direkt wieder hinlegen, weil ich so erschöpft war. Seit 2010 fahre ich kein Auto mehr, da die Konzentration und die Aufmerksamkeit einfach fehlen.

Um die FatigueTypisches MS-Symptom: Es zeichnet sich durch sehr schnelle Ermüdbarkeit sowie körperliche und geistige Erschöpfbarkeit des Betroffenen aus. zu lindern, habe ich dann mit der Ganzkörperkältetherapie begonnen.

Ganzkörperkältetherapie – sprich in einen Raum mit minus 110 Grad Celsius gehen und dort bis zu drei Minuten verweilen. Wie sind Sie darauf gekommen?

Mein Mann hatte in seinem VHS-Kurs eine MS-Betroffene, die von der Ganzkörperkältetherapie erzählte und meinte, dass es ihr nach dem Gang in die Kältekammer immer richtig gut geht. Sie brachte mir dann ein paar Informationsbroschüren mit und 2013 fuhr ich dann das erste Mal ins Kurzentrum Weißenstadt am See. Das ist ein Unternehmen in Österreich, wo diese Therapie von den Kassen unterstützt wird. In Deutschland ist das leider nicht der Fall. Für eine Woche Aufenthalt im Kurzentrum zahle ich ungefähr 700 Euro. Ich gehe dann fünf Tage lang dreimal täglich in die Kältekammer.

Wie genau läuft so eine Ganzkörperkältetherapie im Einzelnen ab?

Bevor man in die Kältekammer darf, wird man körperlich untersucht – sprich Arztgespräche, EKG und Blutuntersuchung. Denn die Kältetherapie darf zum Beispiel nicht bei Personen mit Herz-Kreislauf-Problemen oder Bluthochdruck angewendet werden.

Die Kältekammer besteht aus drei Räumen, die auch Fenster und eine Gegensprechanlage haben. Man sieht die Therapeuten draußen stehen und hat auch Kontakt zu ihnen. Die Räume sind aus Holz, ähnlich wie bei einer Sauna.

Nur mit Badeanzug bekleidet, geht es in die erste Kammer, die minus 10 Grad kalt ist. Man geht auch nicht allein hinein, sondern in einer Gruppe. Um empfindliche Körperteile vor Erfrierungen zu schützen, gibt es Mund-, Nasen- und Ohrenschutz, Handschuhe sowie Socken und feste Schuhe. Ich zum Beispiel bin auch am oberen Nackenwirbel ein wenig empfindlich – deshalb ziehe ich mir immer noch ein Stirnband um den Hals. Man kann auch mit Rollstuhl in die Kältekammer, die Metallteile des Rollstuhls werden dann mit Schaumstoff umwickelt, damit sie nicht einfrieren.

Dann geht es von den minus 10 Grad in die nächste Kammer, die minus 60 Grad hat. Zwischen den Kammern befinden sich große, feste Tiefkühltüren, damit die Kälte nicht entweichen kann. In der zweiten Kammer bleibt man einen Moment, um sich an die Kälte zu gewöhnen und damit keine Wärme in die letzte Kammer kommt. Denn es ist ein enormer Energieaufwand, die Kammern herunter zu kühlen.

Nachdem man sich kurz in der zweiten Kammer aufgehalten hat, wird man in die dritte Kammer gewunken. In dieser Kammer verweilt man dann insgesamt drei Minuten. In dem Raum läuft Musik und der Therapeut sagt in regelmäßigen Abständen, wie viel Zeit schon vergangen ist. Man kann auch im Raum umherlaufen oder sich mit den anderen unterhalten.

War der Gang in den Kälteraum beim ersten Mal eine große Überwindung?

Es war keine große Überwindung, sondern eher Aufregung, weil ich nicht so genau wusste, was mich erwartet. Ich bin auch kein empfindlicher Mensch, mich stört Kälte nicht. Ich gehe zum Beispiel auch kurzärmelig auf den Balkon, wenn es draußen kalt ist. Ich friere nicht so schnell.

Es gibt einen Notausgang aus der Kältekammer, der ist aber wohl eher als Not-Eingang für die Therapeuten gedacht, wenn ein Patient Hilfe braucht. Man kann die Kältekammer einfach wieder auf dem Weg verlassen, auf dem man reingekommen ist. Die Türen gehen nach außen auf und die Therapeuten können einem gegebenenfalls entgegen kommen. Man muss keine Angst haben vor dieser – unbekannten – Situation und man muss auch nicht unbedingt drei Minuten lang drin bleiben!

Wie fühlt sich die Kälte auf dem Körper an?

Man denkt ja, dass man bei der Kälte anfängt zu zittern, aber dem ist nicht so. Gezittert habe ich noch nie. Die Kälte sticht ein wenig auf der Haut, aber es ist nicht unangenehm.

Man kennt ja das Gefühl, wenn man aus der Kälte ins Warme kommt – die Haut kribbelt. Ist das nach einer Sitzung in der Kältekammer auch so?

Viele, die aus der Kältekammer kommen, ziehen sich sofort ihren Bademantel an. Ich im Gegensatz „genieße“ diese Kälte auf der Haut noch ein wenig. Denn ich empfinde diese Kälte als sehr angenehm. Es kann sein, dass die Haut ein wenig kribbelt, aber man spürt, wie sich die Haut „entspannt“.

Direkt nach dem „Kältegang“ darf man auch nicht duschen oder baden, da die Haut noch gespannt ist.

Wie wirkt sich die Ganzkörpertherapie bei Ihnen auf die MS aus?

Die ersten zwei Kältetherapien waren für mich anstrengend und ich war froh, als ich nach Hause durfte. Aber in der Folgezeit habe ich gemerkt, dass es mir im Großen und Ganzen einfach besser ging. Ich war zwar immer noch müde und habe viel geschlafen, aber ich hatte das Gefühl, effektiver ausgeruht zu sein. Drei bis vier Monate ging es mir richtig gut.

Beim dritten und vierten Besuch im Kurzentrum ging es mir sofort viel besser. Ich empfand es nicht mehr als so anstrengend. Beispielsweise konnte ich an einem Tag nach der Kältetherapie am Nachmittag noch einen Spaziergang durch den Ort machen, ohne, dass ich mich erschöpft gefühlt habe.

Es soll Fußballer beziehungsweise Sportler geben, die sich sogar eine Kältekammer in ihren Keller einbauen lassen und kurz vor einem Wettkampf hineingehen. Denn der Gang in die Kältekammer soll die Leistung steigern.

Und bei mir ist es so, dass ich nicht mehr so erschöpft bin. So gesehen, habe ich also auch mehr Leistungsfähigkeit durch die Kältekammer.

Liebe Frau Meyer, vielen Dank für das interessante Interview!


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