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Passen meine Medikamente zusammen?

Seit 2010 gibt es in der BerlinApotheke eine Abteilung, die sich auf die pharmazeutische Betreuung und Beratung von Patienten mit neurologischen Erkrankungen spezialisiert hat.

Dr. Dennis Stracke setzt sich mit seinem Team unter anderem für die Aufklärung über Wechselwirkungen von Arzneimitteln ein. Was genau hiermit gemeint ist, haben wir den Apotheker gefragt. 

Herr Dr. Stracke, werden mehrere Medikamente gleichzeitig eingenommen, kann es zu sogenannten Arzneimittel-Interaktionen kommen. Was genau ist mit diesem Begriff gemeint? 

Eine Arzneimittel-Interaktion oder auch –Wechselwirkung führt dazu, dass die Verfügbarkeit und die Wirksamkeit eines Arzneimittels verändert werden. Das kann auf zwei verschiedenen Ebenen geschehen. Man unterscheidet pharmakokinetische und pharmakodynamische Arzneimittelinteraktionen.

Mit der Pharmakokinetik sind alle Prozesse gemeint, denen ein Arzneimittel unterliegt, wenn es in den Körper gelangt. Dazu gehören die Freisetzung, Aufnahme (Resorption), Verteilung, Verstoffwechslung (Metabolisierung) und Ausscheidung.

Die Pharmakodynamik hingegen beschreibt die Wirkung, die im Körper durch das Arzneimittel hervorgerufen wird. Beispiele hierfür wären, wenn zwei Wirkstoffe denselben Rezeptor ansteuern oder auf das gleiche Organ wirken. Auch hierbei kann es zu Wechselwirkungen kommen.

Welche Auswirkungen können solche Interaktionen möglicherweise auf den Therapieerfolg haben?

Der Therapieerfolg wird durch Interaktionen immer beeinflusst. Die Wahrscheinlichkeit für Arzneimittelwechselwirkungen nimmt mit der Anzahl der verschriebenen bzw. gleichzeitig eingenommenen Arzneimittel zu.

Interaktionen können auf ganz unterschiedliche Art und Weise entstehen, wobei sich die häufigsten bei der Verstoffwechslung (Metabolisierung) ereignen. Bei der Metabolisierung werden die Arzneistoffe durch EnzymeEnzyme sind Moleküle, die in Körperzellen biochemische Vorgänge beschleunigen und diese in einer gewünschten Richtung ablaufen lassen. abgebaut, damit diese nachfolgend ausgeschieden werden können. Dieser Prozess findet in der Leber statt. Die Einnahme zweier Wirkstoffe kann beispielsweise dazu führen, dass die Wirksamkeit eines Arzneimittels durch das andere abgeschwächt wird, oder im schlimmsten Fall, sogar ausbleibt. Dies geschieht immer dann, wenn der enzymatische Abbau eines Wirkstoffs in der Leber durch einen zweiten beschleunigt wird (Enzyminduktion). Die Konsequenz stellt dann häufig eine Gefährdung des Therapieerfolgs dar.

Umgekehrt kann durch eine Hemmung des Abbaus (Enzyminhibition), die Wirkung eines Arzneimittels verstärkt oder verlängert werden. Meistens führt dieser Effekt zu unerwünschten Nebenwirkungen.

Was sind in der täglichen Praxis die wichtigsten Wechselwirkungen auf die ein MS Patient achten sollte?

Das hängt ganz von der ImmuntherapieEine Immuntherapie ist die Behandlung von Krankheiten durch die Beeinflussung des Immunsystems. Durch die Stärkung von bestimmten körpereigenen Zellen oder das Ausschalten von Immunvorgängen können einige Krankheiten positiv beeinflusst werden. Auch Impfungen zählen zur Immuntherapie, da der Körper durch eigene Leistung (Bildung von Abwehrzellen) bzw. durch fremde Antikörper vor Infektionen geschützt wird. der Patienten ab. Bei den Injektionspräparaten wie GlatirameracetatSubstanz, die zur immunmodulierenden Dauertherapie bei Multipler Sklerose eingesetzt wird und Ähnlichkeit mit einem Bestandteil der MyelinscheideNervenfaserhülle, die das Axon umgibt und aus Myelin gebildet wird. hat. oder den InterferoneInterferone sind Botenstoffe, die von körpereigenen Zellen gebildet werden und in die Regulation von Abwehrvorgängen eingreifen. Bei der Multiplen Sklerose werden gentechnisch hergestellte Interferone als sogenannte Immunmodulatoren eingesetzt. und den Infusionspräparaten (Natalizumab, Alemtuzumab, Ocrelizumab) sind erst einmal kaum pharmakokinetischen Wechselwirkungen zu erwarten, da der Wirkstoff dem Körper direkt zur Verfügung gestellt wird. Als Peptide bzw. ProteineEiweiße werden die Wirkstoffe auch nicht über die Leber abgebaut.

Anders sieht es bei den oralen Therapeutika aus. Teriflunomid, Dimethylfumarat, Fingolimod und Cladribin können theoretisch auf allen pharmakokinetischen Ebenen mit anderen Arzneimitteln interagieren. Da jedoch bei der Verstoffwechselung das größte Interaktionspotential liegt, sollte man bei Wirkstoffen, die über die Leber abgebaut werden (Teriflunomid, Fingolimod), aufpassen.

Es gibt Arzneimittel, die den Abbau von Teriflunomid und Fingolimod verstärken. Dadurch kann die Wirksamkeit der Immuntherapeutika herabgesetzt und die Krankheitsaktivität erhöht werden. Beispiele hierfür wären das Antibiotikum Rifampicin oder Johanniskraut. Aber auch Carbamazepin gehört dazu, ein Wirkstoff der häufig bei neuropathischen Schmerzen eingesetzt wird. Einen gegenteiligen Effekt haben zum Beispiel Ketoconazol und andere Präparate gegen Pilzinfektionen. Diese können die Verfügbarkeit von Fingolimod erhöhen und die damit einhergehende Einwirkung auf das ImmunsystemDas Immunsystem ist ein komplexes System von Zellen und Zellfunktionen in einem Lebewesen. Es dient der Abwehr von fremden Substanzen und Krankheitserregern. (Immunsuppression) verstärken.

Fingolimod kann sich darüber hinaus ungünstig auf die Herzfrequenz auswirken und sollte bei Patienten, die Antiarrhythika und Antihypertonika einnehmen, mit Vorsicht angewendet werden.  

Bei welchen Wirkstoffen in der MS-Therapie sind Wechselwirkungen häufig?

Insgesamt kann man sagen, dass die Injektionstherapeutika – also Glatirameracetat und die Interferone – gut verträglich sind und das geringste Wechselwirkungspotential im Vergleich zu den anderen Immuntherapeutika besitzen. Von den β-Interferonen weiß man allerdings, dass Sie das Risiko für Depressionen begünstigen bzw. Depressionen verstärken können. Patienten mit manifesten Depressionen sollten daher nicht auf Interferone eingestellt werden. Das ist zwar keine klassische Wechselwirkung, muss aber bei der Therapieauswahl berücksichtigt werden.

Wie gehen Sie mit der Thematik in der Praxis um, (stellen Sie als Apotheker Arzneimittel-Interaktionen fest)?

Wir hinterfragen regelmäßig die Medikation unserer Patienten und prüfen diese auf Interaktionen. Bei neuen Patienten führen wir standardmäßig eine umfassende Arzneimittelanamnese durch. Das heißt, wir dokumentieren alle Medikamente, die der Patient einnimmt. Neben den neurologischen Präparaten sind das häufig Vitamin-Präparate, Nahrungsergänzungsmittel, freiverkäufliche Medikamente oder solche, die der Hausarzt verschrieben hat. Wir kontrollieren dann, ob alle Wirkstoffe miteinander kompatibel sind. Sollte uns etwas auffallen, setzen wir uns sofort mit dem Patienten oder gegebenenfalls mit dem behandelnden Arzt in Verbindung.

Unser Angebot einer telefonischen Beratung wird sehr gerne von den Patienten in Anspruch genommen. Wir nehmen uns dabei viel Zeit für die Betroffenen, denn eine sichere und erfolgreiche Arzneimitteltherapie ist unser höchstes Anliegen! Dieser Service steht den Patienten Montag bis Freitag von 8-17 Uhr zur Verfügung.

Tipp: Weitere Informationen zum Schwerpunkt Multiple Sklerose der BerlinApotheke finden Sie unter www.berlinapotheke.de/unsere-schwerpunkte/ms/



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