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Von der Selbsthilfegruppe zur Freundschaft

Von der Selbsthilfegruppe zur Freundschaft
Monika Stöcklein ist Vorsitzende der Nördlinger MS-Selbsthilfegruppe „Durchblick“ der DMSG – und das schon seit 20 Jahren. In einem Interview erzählt sie mehr über die Selbsthilfegruppe und wie aus diesem monatlichen Erfahrungsaustausch eine enge Freundschaft wurde.

Frau Stöcklein, wieso heißt die Selbsthilfegruppe „Durchblick“?

Weil wir den Durchblick haben möchten. Von Anfang an wollten wir alles rund um die MS wissen und Fachleute werden. In der Anfangszeit haben wir uns getroffen, um zu erfahren, wie andere mit der Krankheit umgehen. Untereinander die eigenen Erfahrungen auszutauschen, hilft ungemein. Wir geben uns gegenseitig Tipps und Hilfestellungen. Was macht man beispielsweise, wenn die Füße kribbeln? Einer gab den Tipp, sich auf Kastanien zu stellen. Das sind so Tipps, die durch persönliche Erfahrungen entstehen und die Dir kein Neurologe geben kann. Mich begleitet die MS schon seit 25 Jahren und ich finde es einfach notwendig, dass sich MS-Betroffene in Selbsthilfegruppen organisieren.

Seit wann gibt es die Selbsthilfegruppe?

Die Selbsthilfegruppe gibt es nun schon seit 20 Jahren. Über all die Jahre hinweg ist aus dieser Selbsthilfegruppe ein fester Freundeskreis entstanden. Heute stehen Themen im Vordergrund, die unser tägliches Leben bereichern. Wir probieren neue Entspannungsübungen [Verlinkung: www.aktiv-mit-ms.de/services/rechtstipps/artikel/entspannungskurse-was-uebernimmt-die-krankenkasse/] aus, schauen gemeinsam Filme an oder lauschen Vorträgen zu Themen, die für uns relevant sind – wie beispielsweise alles rund um den Darm oder die Wechseljahre.

Wie sehen Ihre Aufgaben in der Selbsthilfegruppe aus?

Wir haben uns die Aufgaben aufgeteilt – jeder übernimmt etwas anderes. Das Jahresprogramm wird gemeinsam erstellt, da kann jeder seine Wünsche äußern. Einer kümmert sich dann um die Organisation des Jahresprogrammes, eine ist für die Bewirtung zuständig, eine andere kümmert sich um Referentengeschenke. Zu meinen Aufgaben gehören die Raumbelegung und die Finanzen. Es gibt verschiedene Zuschussmöglichkeiten für Selbsthilfegruppen – zum Beispiel von den Krankenkassen oder dem Versorgungsamt hier in Bayern. Diese Zuschüsse des Versorgungsamtes bekommt man jedoch nur, wenn man einer Dachorganisation angehört. Und das ist in unserem Fall die DMSG.  Auch können in diesem Fall auch Spenden entgegengenommen werden und Spendenquittungen ausgestellt werden, da hier die Gemeinnützigkeit vorliegt.

Wie oft treffen Sie sich?

Wir treffen uns einmal im Monat. Wir haben ein Jahresprogramm und da ist immer etwas dabei, was sich jemand gewünscht hat. So waren wir einmal im Heimatmuseum zu einer Ausstellung. Dann hatten wir einen Vortrag zur aktuellen Pflegereform. Das Jahresprogramm steht auf der Seite der DMSG Bayern im Internet

Kann jeder zu dieser Selbsthilfegruppe kommen?

Zu unseren Treffen kann jeder kommen, der möchte. Seit September gibt es auch eine neue Selbsthilfegruppe in Wemding. Da aus unserer Selbsthilfegruppe so ein fester Freundeskreis geworden ist, ist es manchmal schwierig, die jungen Betroffenen zu integrieren.

Die jüngeren beschäftigen oft auch ganz andere Themen. Sie haben beispielsweise kleine Kinder, denen sie begreiflich machen müssen, wieso sie nicht mit ihnen Fußball spielen können. Oder sie müssen erklären, warum Mama sich mittags hinlegen muss. Wie geht man mit solchen Situationen um? Da sind die meisten überfragt und deshalb haben wir nun noch diese zweite Selbsthilfegruppe gegründet. Wer Mitglied in dieser Gruppe werden möchte, kann sich gern bei mir melden.

Sie haben das Lebensmotto „So wie ich es mache, ist es richtig!“ und bezeichnen sich als Lebensmensch durch und durch.

Ja, das stimmt! Das klingt zwar alles sehr positiv, aber ich habe auch meine Tiefschläge gehabt. Im Endeffekt muss man sein Leben selbst in die Hand nehmen. MS heißt: Mach Selbst! Wenn Du selbst nichts machst, dann hilft Dir auch kein anderer. Man muss sich selbst darum kümmern.

Das heißt aber auch, dass man Hilfe annehmen sollte! Am Anfang meiner Krankheit hat mir ein ehrenamtlicher Mitarbeiter der DMSG sehr geholfen. Es entsteht dadurch kein Zwang. Im Prinzip funktioniert es so, dass einem Hilfe angeboten wird und man selbst entscheidet, ob man diese Hilfe haben möchte. Ich kann nur empfehlen sich mit der DMSG in Verbindung zu setzen. Die geschulten Mitarbeiter beschäftigen sich tagtäglich mit MS-Betroffenen, deren Lebensumstände und Probleme. Sie sind auch bei Sozialberatung behilflich.

Die neue Selbsthilfegruppe von Frau Stöcklein befindet sich in Wemding, Bayern. Wenn Sie Mitglied der neuen Selbsthilfegruppen werden möchten, melden Sie sich bei Frau Stöcklein unter:
monikastoecklein@t-online.de.

Weitere Informationen zu der Selbsthilfegruppe finden Sie auch auf der DMSG-Seite des Landesverbandes Bayern: www.dmsg-bayern.de


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