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Was bedeutet eigentlich...PML?

Was bedeutet eigentlich....
RRMS, PML oder EDSS – wer sich mit dem Thema Multiple Sklerose beschäftigt, stößt oft auf komplizierte Fachbegriffe oder unverständliche Abkürzungen. Unsere Serie „Was bedeutet eigentlich…?“ erklärt die wichtigsten Begriffe rund um die MS.

PML

Die Abkürzung PML steht für Progressive Multifokale Leukenzephalopathie. Hierbei handelt es sich um eine fortschreitende Erkrankung in mehreren Bereichen der weißen Substanz im Gehirn. Ausgelöst wird PML durch das John Cunningham-Virus – kurz JC-Virus.

Infektion mit JC-Virus 

Die meisten Menschen infizieren sich im Kindesalter und tragen das Virus lebenslang in sich, ohne dass es ausbricht. Etwa 85 Prozent der Erwachsenen weltweit zeigen AntikörperAntikörper werden von so genannten B-Lymphozyten gebildet. Sie bilden mit einem Antigen, für das sie spezifisch sind, einen so genannten Antigen-Antikörper-Komplex. Durch diese Komplexierung werden verschiedene Abwehrmechanismen aktiviert. gegen das JC-Virus. Bei MS-Betroffenen in Deutschland liegt der Antikörper-Wert bei 56 Prozent – unabhängig vom Geschlecht. Je älter eine Person, desto höher ist auch die Häufigkeit der Antikörper.1 Medikamente können jedoch das ImmunsystemDas Immunsystem ist ein komplexes System von Zellen und Zellfunktionen in einem Lebewesen. Es dient der Abwehr von fremden Substanzen und Krankheitserregern. unterdrücken, wodurch die Viren reaktiviert werden, ins Gehirn eindringen und PML entwickeln können.   

Immunsuppressive Therapie und PML

Manche immunmodulierenden Wirkstoffe gegen Multiple Sklerose beinhalten ein potentielles Risiko PML auszulösen. Ein Beispiel hierfür ist der Wirkstoff Natalizumab. Menschen, die Natalizumab bereits länger als zwei Jahre einnehmen oder zuvor andere, das Immunsystem unterdrückende Medikamente eingenommen haben, sind häufig von PML betroffen. Auch Fingolimod, Dimethylfumarat oder Teriflunomid beeinflussen das Immunsystem und stellen somit ein erhöhtes Risiko dar. 

Symptome

Da das JC-Virus die MyelinscheideNervenfaserhülle, die das Axon umgibt und aus Myelin gebildet wird. (Nervenscheiden) der OligodendrozytenGliazellen im ZNSZentralnervensystem, die Myelin im zentralen Nervensystem bilden. befällt und diese degenerieren, ähneln die Symptome jenen der MS. Je nachdem in welchem Hirnareal die DemyelinisierungUnter Demyelinisierung versteht man die Schädigung sowie den Verlust von MyelinAls Myelin bezeichnet man die Hüll- und Isoliersubstanz der Nervenfasern, die aus Lipiden und ProteineEiweiße besteht. Sie umgibt Nervenzellkörper und Axone und fördert die schnellere Weiterleitung einer Information. Im Zentralen Nervensystem wird es von Oligodendrozyten, im peripheren Nervensystem von den Schwann-Zellen gebildet. (= Substanz, die Axone und Nervenzellkörper schützt und isoliert). stattfindet, kann sich PML äußern durch:

  • Sprachstörungen 

  • Sehstörungen

  • Bewegungsstörungen

  • SensibilitätsstörungenEmpfindungsstörungen

  • Kognitive Störungen

  • Lähmungen

  • Stimmungsveränderungen 

  • Verhaltensänderungen

Im Gegensatz zu einem akuten MS-Schub beginnen die Symptome bei PML allmählich, klingen jedoch nicht wieder ab, sondern verschlimmern sich zunehmend. Wenn neue oder sich verschlechternde Symptome auftreten, sollten diese daher gründlich untersucht werden. Wenden Sie sich umgehend an Ihren Arzt.

Therapie

Wird die Funktion des Immunsystems nicht verbessert, kann die Gehirninfektion mit dem JC-Virus zu einer schweren, bleibenden Beeinträchtigung oder seltener auch zum Tod führen.

Ziel der Therapie ist es, das Immunsystem wieder in Gang zu bringen, damit die körpereigenen Abwehrkräfte das Virus bekämpfen können. Bei Verdacht auf PML sollte daher in Rücksprache mit dem Arzt das immunsuppressive Medikament abgesetzt werden.

1 Wie hoch ist die PrävalenzDie Prävalenz einer Krankheit bezeichnet die Anzahl der erkrankten Personen in einer bestimmten Bevölkerung(-sgruppe) zu einem gegebenen Zeitpunkt. Davon zu unterscheiden ist die Inzidenz – die Anzahl der Neuerkrankungen in einem bestimmten Zeitraum. in Deutschland? Prävalenz von Anti-JC-Virus-Antikörpern bei Patienten mit Multipler Sklerose: rd.springer.com/article/10.1007/s15005-012-0566-0

Weiterführende Links:

www.ms-docblog.de

www.amsel.de



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