02.09.2026 – Recht & Soziales

Multiple Sklerose Leitlinie: Update 2026

Früher erkennen, gezielter behandeln, individuell entscheiden: Die aktualisierte MS-Leitlinie bringt wichtige Neuerungen: Hier das Wesentliche auf einen Blick.
Ein Arzt hält ein Schild mit Schriftzug "Multiple Sklerose" in die Kamera

Für viele Betroffene mit Multipler Sklerose oder einem entsprechenden Verdacht ist die Zeit bis zur Diagnose MS verunsichernd und belastend. Umso wichtiger ist eine schnelle und sichere Einordnung der individuellen Beschwerden und/oder Befunde. Die im Februar 2026 überarbeitete MS-Leitlinie1 setzt deshalb auf die sogenannten McDonald-Kriterien 2024. Das sind moderne Diagnosekriterien, die es Ärztinnen und Ärzten ermöglichen, die chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems unter Umständen präziser und früher zu erkennen.

Für Betroffene kann das entscheidend sein: Je früher Multiple Sklerose erkannt wird, desto eher kann eine individuell passende Behandlung begonnen werden – mit der Absicht, die Krankheitsaktivität möglichst früh zu bremsen.
 

Treat‑to‑target: Therapie mit klaren Zielen

Die Behandlung soll sich aber nicht nur am aktuellen Krankheitszustand orientieren, sondern auch an Prognosefaktoren und klar definierten Therapiezielen. Damit wird das sogenannte Treat-to-target-Prinzip auch in der 2026 aktualisierten MS-Leitlinie bestätigt. Zu den Zielen gehört, Krankheitsaktivität möglichst zu vermeiden und die Lebensqualität zu erhalten. Dieses Konzept hat sich bewährt und bleibt die Grundlage der modernen Therapie der Multiplen Sklerose. Für Menschen mit MS bedeutet das auch: Ärztliche Therapieentscheidungen müssen individuell zugeschnitten getroffen und regelmäßig überprüft und gegebenenfalls angepasst werden, wenn die gesteckten Ziele nicht erreicht werden.
 

Behandlung – so individuell, wie die Erkrankung selbst

Multiple Sklerose verläuft bei jedem Menschen anders – und darauf geht die neu überarbeitete MS-Leitlinie noch stärker ein. Die Wahl der Therapie soll sich heute konsequent am individuellen Risiko und der jeweiligen Krankheitsaktivität orientieren. Dabei spielen unterschiedliche Faktoren eine Rolle, zum Beispiel:

  • wie aktiv die Erkrankung ist (Schübe, MRT-Befunde),
  • wie stark die MS-Symptome ausgeprägt sind und wie gut sie sich rückbilden,
  • und wie schnell sich die Erkrankung entwickelt.

Bei einem eher milden Verlauf kann eine an Risiko und Aktivität angepasste, weniger intensive Therapie sinnvoll sein. Zeigen sich dagegen frühe Hinweise auf eine hochaktive Erkrankung, empfiehlt die MS-Leitlinie, direkt stärkere Therapien einzusetzen. Also: keine „One-size-fits-all“-Behandlung, sondern eine Therapie, die wirklich zum Menschen und der individuellen Situation passt. Dabei sollen alle ärztlichen Therapieentscheidungen gemeinsam mit der Patientin oder dem Patienten getroffen werden.
 


Referenzen:

  1. Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN): Diagnose und Therapie der Multiplen Sklerose…, Living Guideline Version 9.0, Stand 22.02.2026. 030050_Living_Guideline_MS_V9_2026_1777557729023.pdf, (aufgerufen am 13.05.2026)